8+1 einfache Schritte zum Auswendiglernen

Auswendiglernen genießt unter Wissenschaftlern und Lernexperten nicht den besten Ruf. Expertenmeinungen zufolge hilft stumpfes auswendig lernen nicht dabei, eine Thematik wirklich zu verstehen und das Gelernte später auch in die Tat umsetzen zu können.

In manchen Fällen gibt es jedoch keine andere Möglichkeit. Spätestens wenn es sich um eine große Menge an Informationen handelt, die in kürzester Zeit verinnerlicht werden muss – wie Vokabeln, Jahreszahlen etc. – bleibt schnelles Auswendiglernen die einzige Alternative.

Bei anderen Thematiken macht diese Lerntechnik hingegen wenig Sinn. Wissenschaftliche Theorien, Konzepte und komplexe Sachverhalte lassen sich nicht durch Auswendiglernen verinnerlichen. Hierbei ist es wichtig, dass man den Gesamtzusammenhang versteht – nur so lässt sich das Wissen später auch auf konkrete Fragestellungen und Probleme anwenden.

8+1 Tipps zum Auswendiglernen

  • Zeiteinteilung

Wichtig ist in jedem Fall eine gründliche Planung der Lerneinheiten. Weit im Voraus zu planen kann das Auswendiglernen vereinfachen, da man die Lerneinheiten terminieren kann und nicht erst auf den letzten Drücker lernen muss, was in den wenigsten Fällen zum gewünschten Erfolg verhilft.
Die jeweiligen Lerneinheiten sollten nicht zu lang gehalten werden. Das Gehirn lernt nach jeder Aufnahmephase ca. 7 Minuten weiter, obwohl man eventuell schon mit ganz anderen Dingen beschäftigt ist. Daher heißt es, sich diese Eigenschaft des Gehirns zu Nutze zu machen. Lerneinheiten von jeweils 10 Minuten sind optimal. Mit dieser Dauer kann die Lerngeschwindigkeit und die Dauer beschleunigt werden. Unsere Empfehlung lautet daher: Lieber kurze Lerneinheiten durchführen, dafür aber mehrmals täglich.

  • Pausen machen

Wie auch beim Sport zwischenzeitliche Erholung notwendig ist, um Erfolge erkennen zu können, müssen auch beim Auswendiglernen regelmäßig Pausen eingelegt werden. Die Konzentration nimmt nach mehreren Stunden des Lernens automatisch ab. Daher, wie bereits im Punkt „Zeiteinteilung“ beschrieben ist es sinnvoller, in Etappen zu lernen und zwischendurch immer mal wieder Pausen zu machen.
Die Pausen sollten dann jedoch tatsächlich auch als Pause genutzt werden: Das bedeutet, dass in der Zeit auch keine anderen überfordernden Tätigkeiten ausgeübt werden sollten. Wenn man also gerade eine Pause vom Französisch-Vokabel-Pauken macht, sollte man in der Pause nicht noch versuchen, schnell ein paar Englisch-Vokabeln zu lernen. Erholung heißt Erholung. Am besten schnappt man sich eine Flasche Wasser und dreht eine Runde um den Block. Viel trinken, frische Luft und Bewegung helfen, die Pause optimal zu nutzen.

  • Ansprache verschiedener Sinne

Statt nur stumm vor den zu lernenden Inhalten zu sitzen, sollte man beim Auswendiglernen lieber versuchen weitere Sinne mit einzubeziehen. Wenn man sich zusätzlich zum Lesen der Informationen diese auch noch laut vorliest, werden direkt zwei Sinne angesprochen, was den Lernerfolg fördern kann.
Hilfreich kann es sein, vorab herauszufinden welchem Lerntyp man angehört. Die meisten Menschen lernen visuell am besten, aber auch zusätzliches Hören oder Fühlen kann den Lernerfolg zusätzlich verbessern. Die Faustregel lautet also zu versuchen, möglichst viele Sinne mit einzubeziehen. Dadurch werden die Lerninhalte auf mehreren Ebenen wahrgenommen und besser verinnerlicht.

  • Effektiveres Lernen durch Ortswechsel

Dieser Tipp ist vor allem hilfreich, wenn nicht nur ein Thema gelernt werden muss, sondern mehrere Prüfungen in verschiedenen Fächern anstehen. Hier kann es hilfreich sein den unterschiedlichen Stoff an mehreren Orten verteilt zu lernen. Ort bedeutet in diesem Fall jedoch nicht unterschiedliche Städte – das wäre wohl auch nicht besonders praktikabel – sondern zum Beispiel diverse Stationen in der eigenen Wohnung.
Im Wohnzimmer werden die Englisch-Vokabeln gepaukt, am Küchentisch werden die Inhalte für die anstehende Statistik Klausur gelernt und am Schreibtisch breitet man die Lernsachen für Biologie aus. Das Gehirn verbindet das Gelernte mit den jeweiligen Stationen. So kann man sich an den Stationen jeweils besser an die Lerninhalte erinnern und konzentrieren.

  • Informationsverteilung an verschiedene Orte

Eine andere Möglichkeit sich immer wieder mit den Lerninhalten zu konfrontieren, ist es, in der gesamten Wohnung Zettel mit den Definitionen, Formeln und Begriffen aufzuhängen. Das Prinzip ähnelt dem des vorherigen Tipps. Das Gehirn verknüpft die Stationen an denen man Zettel aufhängt mit den zu lernenden Inhalten. Dadurch lassen sich die Inhalte schneller lernen.
So einfach es klingen mag, so effektiv kann diese Methode sein. Durch Wiederholungen lernt man Dinge einfach am effektivsten auswendig. Wer sich immer wieder mit den gleichen Informationen umgibt, verinnerlicht diese ganz automatisch.

  • Inhalte in kleinere Teile aufsplitten

Das menschliche Gehirn ist leider nicht allzu gut darin, sich große Mengen an Informationen auf einmal zu merken. Daher sollten Informationen gestückelt und in Abschnitten gelernt werden.
Als Beispiel dient in diesem Fall eine Zahlenfolge: 47911241293. Sehr wahrscheinlich wird man sich diese Zahlenreihe nicht sofort merken können. Wenn man diese jedoch in einzelne Teile zerlegt, wird es leichter klappen. 47 ist beispielsweise das Alter der Mutter. 911 ist die Notrufnummer in den USA. 2412 kann man mit Heiligabend assoziieren und die 93 ist das eigene Geburtsjahr. Durch das Bilden von Assoziationen von einzelnen Teilbereichen der Zahlenreihe fällt es leichter diese zu verinnerlichen, da man nicht primär an die Zahlenfolge denkt, sondern eher an die Assoziationen, die man damit verknüpft hat.
Ein anderes bekanntes Beispiel für das Verknüpfen von Assoziationen mit Lerninhalten ist das, des Planetensystems: „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel“ - Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun. Diese Variante zählt bereits zu den Mnemotechniken.

  • Vor dem Schlafengehen Gelerntes wiederholen

Einen Abend vor der Klausur noch bis tief in die Nacht zu lernen, ist für viele Menschen ganz normal. Besonders kurz vor einer anstehenden Prüfung überkommt den ein oder anderen dann doch die Panik und man versucht sich den Stoff regelrecht hinein zu prügeln. Effektiv ist das jedoch nicht.
Stattdessen sollte man lieber auf ausreichend Schlaf während einer Prüfungsphase achten und die Zeit vor dem Schlafen nutzen indem man die Lerninhalte wiederholt.
Wer sich das Gelernte kurz vor dem Schlafen gehen noch einmal ansieht, erhöht die Chance, dass das Wissen auch behalten wird. Dafür sorgt unser Gehirn, welches Wissen während der Schlafphase ins Langzeitgedächtnis überträgt.

  • Verwendung von Mnemotechniken

Hierbei handelt es sich um Methoden, die dem Gehirn helfen, Wissen abzuspeichern und zu einem späteren Zeitpunkt abzurufen. Diese Techniken sind auch bei Gedächtnissportlern sehr beliebt.
Die zwei bekanntesten Methoden sind die Loci- und die Schlüsselwortmethode
Während bei der Loci-Methode, die auch häufig als Routen-Methode bezeichnet wird, der Fokus auf dem Einprägen von Reihenfolgen liegt, eignet sich die Schlüsselwortmethode vor allem für das Einprägen von Vokabeln.
Im Geiste immer wieder dieselbe Strecke zurücklegen und dabei für jeden Streckenpunkt, der auf dem Weg liegt, bestimmte Schlüsselwörter festlegen – so funktioniert die Loci-Methode. Die von jedem persönlich, festgelegten Schlüsselwörter werden dann mit Bildern oder Geschichten verknüpft. Folgt man zu einem späteren Zeitpunkt dieser Strecke, verknüpft das Gehirn automatisch die Schlüsselwörter mit der abgelaufenen Strecke und die erlernten Begriffe können in einer bestimmten Abfolge wiedergegeben werden.
Das Einprägen von Vokabeln wird durch die Schlüsselwortmethode besonders effektiv. Hierbei erfolgt eine Verknüpfung von bereits vorhandenem Wissen mit den neu zu lernenden Vokabeln. Am einfachsten ist es, wenn Wörter aus der Muttersprache verwendet werden, die etwas mit der neu zu lernenden Vokabel zu tun haben oder ähnlich klingen. Im Kopf entsteht dadurch unterbewusst ein Bild, welches die Vokabel mit dem Schlüsselwort verknüpft. Ein Beispiel für eine englische Vokabel ist zum Beispiel das Wort „gift“, welches in der deutschen Sprache „Geschenk“ bedeutet. Möchte man sich dieses Wort nun merken, könnte man folgenden Gedanken bilden: „Etwas, das man jemandem auf keinen Fall schenken möchte“ – Antwort: Gift.

  • Wiederholung

Um sicherstellen zu können, dass das Gelernte auch tatsächlich vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis transportiert wird, ist eine regelmäßige Wiederholung und Auffrischung wichtig.
In diesem Zusammenhang ist auch die Einhaltung von Pausen wichtig. (siehe „Pausen machen“).
Den Schlüssel zum Erfolg stellt hier sicherlich die regelmäßige Wiederholung des Gelernten dar. Wobei die Betonung auf „regelmäßig“ liegt. An einem Tag intensiv 8 Stunden durch zu lernen und daraufhin 5 Tage alles liegen zu lassen, wird nicht zum gewünschten Erfolg führen. Je regelmäßiger die Wiederholungen erfolgen, desto langfristiger kann das Gelernte im Langzeitgedächtnis gespeichert werden.