Das Rügener Inklusionsmodell

Auf den öffentlichen Grundschulen Rügens wurde im Schuljahr 2010/2011 ein besonderes Schulmodell eingeführt. Das sogenannte Rügener Inklusionsmodell basiert auf dem amerikanischen Response to Intervention Konzept, deren Schwerpunkt die frühzeitige Diagnose und präventive Therapie von Lernschwächen ist. Doch wie funktioniert das neue Modell?

Das Rügener Inklusionsmodell

Das Rügener Inklusionsmodell beinhaltet vier grundlegende Konzepte, die das frühe Erkennen und Therapieren von Lernschwächen ermöglichen sollen:

  • Mehrebenenprävention: Die Mehrebenenprävention wird durch mehrere Förderstufen erreicht. Auf Rügen gibt es genau drei Förderstufen: Auf der Förderstufe 1 werden alle Schüler gemeinsam und leistungsunabhängig unterrichtet. Neben dem Grundschullehrer ist auch ein Sonderpädagoge anwesend. Auf der Förderstufe 2 werden Schüler zusätzlich gefördert, die unterdurchschnittliche Leistungen aufweisen. Auf der Förderstufe 3 werden diejenigen zusätzlich gefördert, bei denen der Sonderpädagoge die Notwendigkeit individueller Förderung festgestellt hat.
  • Evidenzbasierte Praxis: Im Rügener Inklusionsmodell werden Lehrmethoden verwendet, deren Wirksamkeit bei der Prävention oder Therapie von Lernschwächen wissenschaftlich bewiesen wurde. Diese Methoden werden als evidenzbasiert betitelt.
  • Diagnostik: Um rechtzeitig zu erkennen, welche Schüler besonderen Förderbedarf oder sogar eine Lernschwäche haben, werden im Schuljahr durchgehend diagnostische Verfahren durchgeführt.
  • Curriculumbasierte Messungen: Zu diesen diagnostischen Verfahren gehören mehrmals im Schuljahr durchzuführende curriculumbasierte Messungen. Diese helfen, die schulische Entwicklung der Schüler regelmäßig zu dokumentieren: Innerhalb einer bestimmten Zeit lösen die Schüler Aufgaben aus einem bestimmten Bereich und werden so stetig evaluiert.

Kritik am Rügener Inklusionsmodell

Das Rügener Inklusionsmodell hat auch Kritiker. Unter anderem sind Inklusions-Experten der Ansicht, das Modell würde sich zu stark auf den Einsatz standardisierter Tests und der Evaluierung der Schüler orientieren. Der Sinn der eigentlichen Inklusion sei entfremdet, die Schüler würden zu schnell in Schubladen gesteckt. Auch die evidenzbasierten Methoden stehen unter Kritik: Da ihre Wirksamkeit wissenschaftlich als bewiesen gilt, stehe der Schüler unter Druck die entsprechenden Fortschritte zu machen.

Wie geht’s weiter auf Rügen?

Erste Evaluationen zeigen jedoch positive Ergebnisse, die Entwicklung der Schüler sei besser als die der Kontrollgruppe in Stralsund. Das Projekt wird auf weiteres fortgeführt.
Mehr Informationen zum Rügener Inklusionsmodell gibt es unter anderem auf der Webseite der Universität Rostock.