Alternative Schulkonzepte: Montessori Schule

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Internationale Vergleiche wie die PISA Studie und Nachrichten über sogenannte „Problemschulen“ stellen das staatliche Schulkonzept in Frage. In diesem Zusammenhang rücken alternative Schulkonzepte regelmäßig in den Vordergrund und werden von verschiedenen Akteuren diskutiert. Letzte Woche haben wir dir das Schulmodell Jenaplan vorgestellt. Heute lernst du das Modell der Montessori-Schule kennen.

Die Entwicklung des Montessori-Schulmodells

Das pädagogische Konzept der Montessori geht auf die gleichnamige italienische Ärztin Dr. Maria Montessori zurück. Im Rahmen ihrer psychiatrischen Arbeit mit Kindern erkannte sie, dass jedes Kind einen eigenes Lern- und Entwicklungstempo besitzt und dass ein starres Schulsystem wenig zielführend ist. Daraufhin entwickelte sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein neues Schulkonzept, dass auf einen offen gestalteten Unterricht mit individueller Förderung ausgerichtet ist.

Zu jener Zeit unterrichtet ein Lehrer mehrere Jahrgänge gemeinsam in einem Klassenverbund. Die große Klassenstärke ermöglichte dem Lehrer kaum, auf jeden Schüler individuell einzugehen. Der Schulunterricht um 1900 hatte vieles mit militärischen Drill gemein. Die vorherrschenden Prinzipien waren Fleiß, Gehorsam, Sauberkeit und Ordnung. Montessoris Konzept stellt dagegen den Schüler mit seiner Persönlichkeitsentwicklung in den Mittelpunkt. Ein Vergleich zwischen Schülern durch Notengebung wird in den unteren Jahrgängen ebenfalls abgelehnt.

Das Montessori-Konzept wird international als ein bewährtes pädagogisches Konzept angesehen. Der Großteil der Montessori Schulen wird in freier Trägerschaft geführt. In Deutschland wenden über 300 Grundschulen und über 100 weiterführende Schulen dieses alternative Schulkonzept an. Die erste Montessori Schule in Deutschland eröffnete 1923 in Jena.

Charakteristiken der Montessori-Schule

Marie Montessori unterscheidet bei Heranwachsenden zwischen drei wesentlichen Entwicklungsphasen: Erstes Kindheitsstadium (Geburt bis sechstes Lebensjahr), Zweites Kindheitsstadium (siebtes Lebensjahr bis 12. Lebensjahr) und junger Erwachsener (13. Lebensjahr bis 18 Jahre).
In der ersten Phase formen sich die Persönlichkeit, der Geist und die Psyche des Kindes. In der zweiten Phase steht das Finden in einer Gemeinschaft inklusive Interaktion mit Anderen im Vordergrund. Die dritte Phase ist von großer Identifikationssuche und Unsicherheiten des Heranwachsenden geprägt.

Ihr pädagogisches Konzept setzt hier an. Das Lernsystem ist zwar strukturiert, doch bildet Phasen des freien Arbeitens einen wichtigen Pfeiler. In dem fächerübergreifend angelegten Unterricht hat jeder Schüler die Möglichkeit, sich eigenständig mit verschiedenen Themen zu beschäftigen. Daneben findet ein Fachunterricht Anwendung, bei dem Lehrinhalte eines bestimmten Faches in Einzel- und Gruppenarbeit erarbeitet werden.

Montessori-Schulen sind in der Regel Ganztagesschulen. Rund 20 Schüler lernen gemeinsam in einer altersgemischten Klasse. Je nach Schule werden zwischen zwei und vier Jahrgänge gemischt. Eine einheitliche Regelung gibt es nicht. Notenzeugnisse werden erst ab dem vierten Schuljahr ausgestellt. Grundlage für die Feststellung des Leistungsstandes bildet eine spezielle Übersicht, die Tabelle zur Information zum Entwicklungs- und Lernprozess (IzEL-Tabelle).