Warum Nicht-Lernen nicht geht

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Sätze wie "Ich kann nicht mehr Lernen, mein Gehirn ist so voll" sind uns gerade beim Lernen für die nächste Klassenarbeit bestens vertraut. Doch warum Sätze wie diese Quatsch sind und Nicht-Lernen nicht geht, erfährst du hier.

Lernen ist nicht gleich Lernen

Wir lernen ständig. In jeder Sekunde prasseln unbewusst Informationen auf uns ein, die von unseren Sinnen erfasst, von unseren Nervenbahnen weitergetragen und von unserem Gehirn verarbeitet werden. Grundsätzlich ist das Gehirn bereit, zu jeder Zeit und in jeder Situation zu lernen.

Diese Verarbeitung der Informationen sind aber nicht automatische mit dem Lernen in Schule und Uni gleichzusetzen. Es gibt unterschiedliche Arten des Lernens. Die Einschätzung und Verhalten bei Gefahren beispielsweise ist ein anderes Lernen als etwa das Periodensystem auswendig zu lernen.

Die Art der aufgenommen Informationen sagt aber nichts über den langfristigen Verbleib in unserem Gehirn aus. Täglich werden Tausende Informationen gespeichert und nach kürzester Zeit wieder gelöscht. Nur Weniges, was wir täglich aufnehmen, bleibt auch für längere Zeit im Gehirn gespeichert.

Unser Gehirn ist wählerisch

Damit unser Gehirn eine Information als langfristig "speicherungsgeeignet" betrachtet bedarf es einem gewissen Auslöser. Doch warum merkt sich unser Gehirn das das Anfassen von heißen Herdplatten keine gute Idee sei, während uns das Lernen von Jahreszahlen solche Schwierigkeiten bereitet?

Die Art, Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten, ist Teil der Überlebensstrategie, die unser Gehirn permanent verfolgt. Lernen muss sich auch für das Gehirn lohnen und hat folglich eine Gewinnerwartung. Bei jeder neuen Information prüft unser Gehirn, ob diese Situation bereits bekannt ist und wenn ja, welche Erfahrungen mit dieser in Verbindung stehen. Lernen ist demnach stark situationsabhängig.

Eines der wesentlichen Lerntreiber sind Emotionen. Insbesondere negative Emotionen sorgen dafür, dass wir diese Situationen nur einmal erleben möchten, und wir sie ein Leben lang und ohne Mühe wieder in Erinnerung rufen können. Solch ein Erlebnis können beispielsweise Schmerzen und Brandverletzungen als Folge einer Berührung mit einer heißen Herdplatte sein. Unser (unbewusst) angestrebtes Ziel ist es, den Zustand des Glücks zu erreichen. Negative Emotionen möchte unser Gehirn folglich unter jedem Umstand vermeiden. Daher prägt es sich all jene Situationen und Handlungen, die zu diesem Zustand geführt haben, besonders ein.

Dieser Prozess aus Selektieren, Bewerten, Speicherung oder Löschung von Informationen geschieht automatisch und unbewusst ab. Einen direkten, bewussten Eindruck darauf haben wir nur begrenzt. Das heißt im Umkehrschluss, dass Lernen nicht explizit angeordnet werden kann und wir diesen Prozess nicht wie ein Lichtschalter an- und ausstellen können.