So hängen Lernerfolg und Wohnort zusammen

Bildung ist Ländersache. Nach dem Grundgesetz entscheidet jedes Bundesland selber darüber, wie sie das Schul- und Hochschulsystem im Einzelnen strukturieren: „Die Ausübung der staatlichen Befugnisse und die Erfüllung der staatlichen Aufgaben ist Sache der Länder, soweit dieses Grundgesetz keine andere Regelung trifft oder zuläßt.“ (Art. 30, GG). Die Kultusminister der 16 Bundesländer treffen sich jedoch regelmäßig auf der Kultusministerkonferenz (KMZ) und beraten gemeinsam über mögliche einheitliche Standards bei Lehrplänen und Schulabschlüssen.

Das Schulsystem der Bundesländer unterscheidet sich u.a. in den Schuljahren, Schwerpunkten, Lehrpläne, Schulangebot, Übergang zwischen Grundschule und weiterführenden Schulen sowie Abschlussprüfungen. Auch innerhalb eines Bundeslandes kann es zu Unterscheidungen kommen. Forscher wundert es daher nicht, dass trotz der Bemühung, einheitliche Standards zu setzen, der Erfolg in der Schule nach wie vor vom Wohnort abhängt. Zu diesem Ergebnis kamen frühere Studien. Der Chancenspiegel 2014 prüfte jetzt nach, ob sich daran was geändert hat.

Was sagt der Chancenspiegel?

Der Chancenspiegel ist eine von der Bertelsmann-Stiftung durchgeführten Studie, die die Gerechtigkeit und Leistungsfähigkeit aller 16 deutschen Schulsysteme untersucht. Der diesjährige Chancenspiegel 2014 widmet sich der Fragestellung, inwiefern Bildungschancen vom Wohnort abhängig sind. Grundlage für die Ergebnisse bilden die eigenen Analysen sowie die verfügbaren bildungsstatistischen Daten auf Kreisebene. Ziel der jährlich durchgeführten Untersuchung ist die Förderung und Vertiefung einer gesellschaftlichen Debatte über ein gerechtes und leistungsstarkes deutsches Schulsystem, das sich zum Ziel gesetzt hat, Kinder und Jugendliche optimal zu fördern. Der Chancenspiegel gibt Auskunft darüber, wie welche Institutionen in den Bereichen Ganztagesangebot, Sitzenbleiber, Schulabbrecher etc. abschneidet.

Die Forscher kamen bei der Studie zum Ergebnis, dass Erfolg in der Schule auch in höherem Maße davon abhängig sei, in welchem Kreis der Schüler zur Schule geht. Das Gefälle zwischen den Bundesländern ist weiterhin stark ausgeprägt. Die Bildungschancen der Schüler hängen beispielsweise davon ab, wie die Schul- und Bevölkerungsverteilung an einem Ort aussieht. Eltern mit bildungsbürgerlichem Hintergrund sind eher bereit ihre Kinder in einer Nachbarsstadt zur Schule zu fahren als bildungsferne Eltern. Je nach Bevölkerungsstruktur führe dies in einigen Regionen Deutschlands zu hohen Pendelströmen. Auch bei der Idee der Ganztagesschule fehle zwischen den einzelnen Ländern ein einheitliches Verständnis. Von einem bundesweiten Standard ist Deutschland noch weit entfernt. Für Eltern heißt es, sich genau im Vorfeld zu erkundigen, welche Betreuungsangebote die einzelnen Schulen anbieten. Ein Blick in Nachbarstädte und –kreise könnte sich durchaus lohnen.

Den Chancenspiegel 2014 können Sie hier downloaden.