In welchem Alter lernen Schüler Sprachen besonders gut?

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Ob im Radio, Fernsehen, Internet, Berufsleben, in touristisch geprägten Gegenden oder im Lieblingsrestaurant - Fremdsprachen begegnen uns täglich. Fremdsprachenunterricht wird daher immer früher in die Schullehrpläne integriert. Während in den 1990er Jahren beispielsweise Schülerinnen und Schüler in Berlin und Baden-Württemberg Englisch erst ab Klassenstufe 5 lernten, beginnt der Fremdsprachenunterricht in Berlin heute bereits in der dritten Klasse. In Baden-Württemberg dagegen ist Englisch seit Schuljahr 2003/04 ab der ersten Klasse Unterrichtsfach. Ebenso legen immer mehr Eltern Wert darauf, dass ihre Kinder in einen bilingualen Kindergarten gehen, getreu dem Motto „Je früher, desto besser“. Doch in welchem Alter macht es Sinn, eine Fremdsprache zu erlernen? Wir gehen diese Frage nach.

Die neurologischen Prozesse beim Erlernen einer Sprache

Der Erwerb einer Fremdsprache in einem lernpsychologisch günstigen Alter fördert den Aufbau einer hohen Sprachenlernkompetenz. Dahingehend sind sich Pädagogen, Sprachwissenschaftler und Neurologen einig. Uneinigkeit herrscht jedoch darüber, wann genau sich der Mensch in diesem lernpsychologisch günstigen Alter befindet. Studien zeigen, dass das Sprachenlernen vor der Pubertät allgemein leichter fällt, sind bestimmte Gehirnstrukturen in diesem Lebensabschnitt noch flexibel angelegt. Der Satz „In der Pubertät ändert sich alles“ trifft auch beim Sprachenlernen zu. Der Wortschatz dagegen lässt sich in jedem Alter problemlos erweitern.

Mehrere, aktuelle Studien kommen zum Ergebnis, dass Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, langsamer sprechen lernen als Kinder mit einsprachigem Elternhaus. Auch kommt es häufig zur Vermischung der Sprachen. Dies ist aber kein Grund zur Beunruhigung. Kinder sind spätestens mit drei Jahren in der Lage die einzelnen Sprachen auseinander zu halten, so die Forscher. Zweisprachigkeit wirkt sich aber positiv auf die Gedächtnisleistung auf. Einzelne Wissenschaftler berichten, dass sich bilinguale Kinder über ihre Lernstrategie bewusster sind, da sie beim Erlernen ihrer beiden Muttersprachen mehr reflektieren mussten als ihre einsprachigen Altersgenossen.

Altersgerechtes Fremdsprachenlernen

Einige Sprachwissenschaftler sprechen sich gegen die Idee vom lernpsychologisch günstigen Alter aus, bei dem die Kinder Fremdsprachen besonders leicht erlernen können. Untersuchungen kommen zum Ergebnis, dass sich Kinder erst ab dem siebten, achten Lebensjahr über die Regeln und Grammatik einer Sprache bewusst werden. Ein Fremdsprachenunterricht, bei dem diese im Mittelpunkt stehen, macht folglich wenig Sinn. Der Unterricht solle im jüngeren Kindesalter daher vornehmlich instinktiv gestaltet werden.

Die Fähigkeit, eine Aussprache perfekt nachzuahmen, verlieren Kinder dagegen mit spätestens sechs Jahren. Danach wird es stetig schwieriger, eine Sprache akzentfrei zu erlernen. Der Grund hierfür liegt darin, dass Kinder sich bereits ab dem zweiten Lebensjahr zunehmend auf die Laute konzentrieren, die im täglichen Umfeld gesprochen werden. Ob eigene Muttersprache oder Fremdsprache – zu Beginn sollte der primäre Fokus beim Sprechen liegen.