Die Bildungspolitik-Studie der OECD "Bildung auf einen Blick 2012"

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Seit 1996 veröffentlicht die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) jedes Jahr eine Studie mit dem Namen "Bildung auf einen Blick", die einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen der Bildungspolitik in den 34 Mitgliedsländern bietet.

Bei der Teilnahme an frühkindlichen Bildungsangeboten liegt Deutschland deutlich über den Durchschnittswerten (96 bzw. 89 Prozent bei 4- und 3-jährigen im Vergleich zu 79 bzw. 66 Prozent OECD-Durchschnitt). Allerdings besuchen nur 35,2 Prozent der Kinder öffentliche Einrichtungen, während 64,8 Prozent die Angebote von privaten, aber vom Staat finanzierten Einrichtungen wahrnehmen, besonders häufig darunter die kirchlichen Angebote. Die OECD-Vergleichszahlen verdeutlichen mit 62,7 und 21,5 Prozent die deutsche Sonderstellung.

Dagegen stagniert das Bildungsniveau in Deutschland trotz leichter prozentualer Steigerung bei den Studienanfängen und -abschlüssen, die aber dennoch deutlich unter dem OECD-Durschnitt liegen. Lediglich 20 Prozent der jungen Erwerbstätigen im Alter von 25 bis 34 Jahren erreichen einen höheren Bildungsgrad als ihre Eltern, während 22 Prozent unter dem ihrer Eltern bleiben. Das ist im Vergleich zu den meisten anderen Mitgliedsländern (Durchschnitt 37 bzw. 13 Prozent) zwar nicht besonders gut, allerdings ist das Bildungsniveau in Deutschland traditionell auch höher als in Ländern wie Irland, Polen oder Tschechien, wodurch die "Aufwärtsmobilität" der Bildung dort wesentlich positiver ausfällt als in Deutschland.

Immerhin ist Deutschland das einzige OECD-Land, in dem von 2008 bis 2010 die Arbeitslosigkeit unabhängig von der jeweiligen Bildungsgruppe gesunken ist. Im OECD-Schnitt hingegen ist sie bei allen Bildungsniveaus um einige Prozent angestiegen. Besonders der Anteil an jungen Menschen, die sich weder in Arbeits-noch Ausbildungsverhältnissen befinden, liegt mit 12 Prozent deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 15,8 Prozent.

Bei den Bildungsausgaben bleibt Deutschland trotz einer Steigerung in den Jahren von 2008 zu 2009 unter dem OECD-Durchschnitt. Die Lehrergehälter im Primar und Sekundärbereich liegen dagegen deutlich darüber, auch die der Berufsanfänger. Dies könnte jedoch aufgrund des alternden Lehrkörpers als Anreiz dienen, denn 48 Prozent der Lehrer im Primarbereich sind mindestens 50 Jahre alt, in den weiterführenden Schulen sind es in der Sekundarstufe 1 sogar knapp 50 Prozent, in der Sekundarstufe 2 47 Prozent. Die OECD-Durchschnittswerte liegen laut der Studie "Bildung auf einen Blick" mit 30, 33,3 und 36,8 Prozent im Vergleich wesentlich darunter.