Debatte um späteren Schulbeginn – schon 20 Minuten sorgen für rege Diskussionen

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Immer wieder kommt unter Betroffenen die Frage auf, ob man die vor über 100 Jahren eingeführte Uhrzeit für die erste Schulstunde etwas nach hinten verschieben sollte. Mal wird halb neun, mal neun Uhr als Änderungsvorschlag genannt. Dabei liegt diesen Vorschlägen der weit verbreitete Schulstart um 8:00 Uhr morgens zu Grunde. In einzelnen Landkreisen, vor allem in Ostdeutschland oder im Ausland, beginnt die Schulzeit teilweise sogar schon vor 8:00 Uhr, nämlich um 7:00 oder 7:30 Uhr.

Bedenkt man die teils langen Anfahrtswege zur Schule (gerade in ländlichen Gegenden, wo aufgrund zu geringer Schülerzahlen Schulen schließen müssen) und die geladene Stimmung am Frühstückstisch, wenn dafür überhaupt noch Zeit ist, versteht man den Wunsch vieler Schüler und Eltern nach späteren Schulanfangszeiten. Beim Deutschen Lehrerverband ist man hingegen nicht sehr begeistert von diesen Überlegungen.

Dabei gibt es genügend Studien von Medizinern oder Lernforschern, die eine Verschiebung der Anfangszeit sinnvoll erscheinen lassen. Eine zu Beginn des Jahres 2013 veröffentlichte Schweizer Studie mit ca. 2.700 Schülern im Alter von 13 bis 18 Jahren kam zu dem Ergebnis, dass bereits ein um 20 Minuten verschobener Schulstart positive Effekte erzielt. Dadurch könnten die Jugendlichen 15 Minuten mehr schlafen, was sich auf ihre Stimmung, Konzentration und Leistungsfähigkeit auswirken würde. Gegner argumentieren dahingehend, die Schüler sollten einfach früher ins Bett gehen, doch so einfach kann man sich der biologischen Uhr nicht widersetzten. Durch die hormonellen und körperlichen Veränderungen im Jugendalter verändert sich auch der Biorhythmus der Schüler. Während sie als Kinder noch Frühaufsteher, sogenannte "Lerchen" waren, sind sie nun zu "Eulen" geworden, die bekanntlich später in den Tag starten.

Beide Schülergruppen der Studie, im Durchschnitt 15 Jahre alt, gingen zur selben Zeit schlafen, später als noch in früheren Kinderjahren. Die Gruppe, die später zur Schule musste, hatte den Vorteil eines 15 minütigen längeren Schlafs im Gegensatz zur Kontrollgruppe. Die "Spätaufsteher" waren während der Unterrichtsstunden weniger müde oder unkonzentriert als die Schüler, die zur normalen Zeit zur Schule mussten.
Gerade bei Klassenarbeiten ein nicht unwesentlicher Nachteil. Schwierigkeiten in ländlicheren Gegenden könnte die Umorganisation des öffentlichen Personennahverkehrs verursachen. Für die Umtaktung der Buslinien in Bad Segeberg beim Vorschlag die Schule später beginnen zu lassen, wurden beispielsweise 80.000 Euro Mehrkosten kalkuliert, ein Betrag, den niemand bereit war zu zahlen.

Mag dies auch ein Einzelfall sein, Politiker und Lehrer sollten sich dem Wunsch vieler Schüler, Familien und Lernforschern nicht verwehren und sich offen für neue Modelle zeigen, sei es auch nur ein um 20 Minuten späterer Schulbeginn.