Autismus bei Schulkindern – Wie erfolgt die schulische Bildung?

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Eine Autismus-Spektrum-Störung ist laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) eine „tiefgreifende Entwicklungsstörung“. Die Betroffenen nehmen ihre Welt um sich herum anders wahr und benötigen daher in vielen Lebenslagen eine angepasste Behandlung.
Bei Schulkindern mit Autismus ist neben den Eltern auch die Schule in einer besonderen Rolle. Wir geben einen Überblick über die Ausprägungsarten der Störung und die Fördermöglichkeiten bei der Bildung.

Autismus-Spektrum-Störung – Das sind die Merkmale

Bei der Autismus-Spektrum-Störung (ASS, kurz Autismus) gibt es nicht die eine, grundsätzliche Diagnose. Die Art der Störung ist bei den Betroffenen sehr unterschiedlich und kann sich auf folgende Bereiche sehr stark oder eher schwächer auswirken.

Kommunikation und Interaktion

Oft fehlt Schülern mit ASS die Fähigkeit, Sätze und Fragen richtig zu deuten. Sie nehmen vielmehr jeden Satz sehr wörtlich, sodass Sarkasmus oder Ironie nicht verstanden oder gar negativ ausgelegt wird. Auch die Bedeutung von Redewendungen oder Sprichwörtern sollte bei Autisten nicht vorausgesetzt werden.
Weiterhin fehlt einigen Schülern die Fähigkeit, sich in Gespräche zu integrieren und Smalltalk zu betreiben sowie auf der anderen Seite Gespräche zum richtigen, angemessenen Zeitpunkt zu beenden.

Soziale Beziehungen

Es fällt autistischen Kindern häufig schwer, Freundschaften aufzubauen oder zu halten. Sie haben Probleme, Empathie, also Mitgefühl für Andere, zu entwickeln und zugleich kommunikativ zu agieren. Durch die eingeschränkte Deutungsfähigkeit des Gegenübers, kommt es vermehrt zu Missverständnissen. Dies wirkt sich kontaproduktiv auf eine Freundschaftsentwicklung aus.
Ein weiterer Punkt ist das fehlende Selbstverständnis für soziale Regeln. Höflichkeit, Selbsteinschätzung, wie z. B. die Lautstärke beim Sprechen oder die Kraft hinter einem leichten Stoß etc. sind kaum ausgeprägt. Diese eigentlich normalen Spielregeln des Alltags müssen von Autisten oft wie eine Fremdprache auswendig gelernt werden.

Motorik

Neben einer Einschränkung im sozialen Bereich und der verminderten Deutungsfähigkeit, kann auch die Motorik unter der Störung leiden. Ein fehlendes Körpergefühl oder eine beeinträchtigte Feinmotorik kann sich negativ in Schulfächern wie Sport, Werken und Zeichnen auswirken.

Ausgeprägte Spezialinteressen

Neben diesen aufgezählten Einschränkungen, die mehr oder weniger intensiv bei Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung erkennbar sind, ist sehr häufig ein erhöhte Interesse für ein spezifischen Themengebiet vorhanden. Sie entwickeln eine regelrechte Leidenschaft für diesen Themenschwerpunkt. In diesem Moment übersteigt der Wissensdrang oft auch den Wunsch nach soziale Bindungen, wodurch Autisten wie Einzelgänger wirken können. Typisch sind neben dem Aufbau des spezialisierten Expertenwissens auch eine überaus hohe Gedächtnisleistung.

Förderung autistischer Kinder in der Schule

Die besonderen Verhaltensweisen und die variierende Ausprägung der Störung erfordern eine individuelle und intensive Förderung der Schüler. Hierbei muss neben der rein fachlichen Ausbildung auch ein Weg gefunden werden, die Schüler zur Selbstständigkeit zu entwickeln. Erst durch das Lernen soziale Kompetenzen wird der Eintritt in die private berufliche Zukunft auf guter Substanz ermöglicht. Doch letztlich ist klar, dass nicht die Schule allein diese Erziehung vollführt, sondern ein Zusammenspiel mit Eltern und ggf. außerschulischen Angeboten den Weg ebnen sollten.

Müssen autistische Schüler auf die Förderschule?

Es ist wichtig, dass Kinder mit ASS eine gesonderte Behandlung bekommen, aber gerade im Hinblick auf die Inklusion sind hierbei die Schulen in der Pflicht. Durch Anpassungsprozesse seitens der Schule muss kein Schüler mit einer Beeinträchtigung auf eine Sonderschule. Doch folgende Punkte sind bei der Unterrichtung von Autisten hilfreich und sollten bei der Schulwahl der Eltern und von der Schule selbst beachtet werden.

  • Klare Strukturen – möglichst wenig Veränderung im Klassenverband, dem Klassenzimmer und vom Lehrpersonal ermöglichen eine Atmosphäre, auf die sich die Kinder mit ASS nicht ständig neu einstellen müssen.
  • Feste Rituale – eine Tagesstrukturierung wie bestimmte Aktionen zu Beginn des Schultages lassen ein Sicherheitsgefühl entstehen.
  • Klare Sprache – Sarkasmus und Ironie sollten während des Unterrichts vermieden werden, um Verwirrungen auszuschließen. Auch Redensart sollten selten genutzt oder die Bedeutung direkt verdeutlicht werden.

Die Einhaltung fester Regeln ist sehr wichtig. Viele Veränderungen, die für den Einzelnen gar nicht als gravierend wirken, können Stress bei autistischen Kindern hervorrufen. Dieser Stress kann anwachsen und sich irgendwann unkontrolliert entladen. Auch die Mitschüler in der Klasse sollten vorab informiert werden und sich der Besonderheiten der Störung im Klaren sein.

Fazit

Autismus bei Schulkindern verlangt eine individuelle Betreuung und Berücksichtigung, aber es ist nicht sofort eine spezielle Förderschule notwendig. Die Entscheidung liegt auf Seiten der Eltern. In jedem Schulmodell ist es jedoch wichtig, dass Lehrer und Schüler auf die Autismus-Spektrum-Störung hin sensibilisiert werden. Schafft es die Gemeinschaft, eine stressfreie Atmosphäre zu bauen und auf die eingeschränkten Kompetenzen Rücksicht zu nehmen, ist ein normales Leben trotz der Entwicklungsstörung sehr gut möglich.
Literaturempfehlung für Pädagogen: "Ein Leben mit dem Asperger-Syndrom" von Tony Attwood.