Alternative Schulkonzepte: Waldorfschule

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Die Waldorfschule zählt neben der staatlichen Schulbildung zu den bekanntesten Schulmodellen. Doch was genau steckt hinter dem Konzept? Im dritten Teil unsere Serie „Alternative Schulkonzepte“ stellen wir dir die Waldorfschule näher vor.

Entstehungsgeschichte der Waldorfschule

Die erste Waldorfschule eröffnete 1919 in Stuttgart durch Rudolf Steiner und Emil Molt, Besitzer der Waldorf Astoria Zigarettenfabrik. Mit der Schule wollten die Begründer einen Ort schaffen, an dem Kinder unabhängig ihrer sozialen Herkunft und Begabung gemeinsam lernen. Die Schule ist das Ergebnis Steiners Untersuchungen über die Gesetzmäßigkeiten der kindlichen und jugendlichen Entwicklung.

Schnell entstanden andere Schulen und Kindergärten nach dem gleichen Modell. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden alle Waldorfschulen geschlossen. Nach dem zweiten Weltkrieg ist das Schulmodell wieder aufgegriffen worden. Einen Boom erlebte das Waldorfkonzept in den 1970er Jahren. Heute lernen in Deutschland über 85.000 Schüler in über 230 Schulen nach der Waldorfpädagogik.

Ziele und Charakteristiken

Der Unterricht dient in erster Linie dazu, zur ganzheitlichen Entwicklung eines jeden Schülers beizutragen. Ziel ist es, kreative und praktische Fähigkeiten zu fördern, soziale Kompetenzen zu stärken und die Schüler zu (Kultur) offene Wesen zu entwickeln.

Die Waldorfschule unterteilt sich in drei Bereiche: Unterstufe (1.-4. Klasse), Mittelstufe (5.-8. Klasse) und Oberstufe (9.-12. Klasse). Epochenunterricht und Fachunterricht bilden die Säulen des Lehrplans. Im Epochenunterricht wird ein Fach (Deutsch, Mathe, Chemie, Geschichte etc.) über mehrere Wochen im Block thematisch behandelt. Im Fachunterricht stehen praktische Aktivitäten sowie Fremdsprachen im Mittelpunkt. Gruppenarbeit ist integraler Bestandteil der Lehrvermittlung und dient dazu, auf die in der Berufswelt praktizierte Teamarbeit vorzubereiten.

Die Waldorfschule sieht kein Sitzenbleiben vor. Die Schüler lernen die gesamte Zeit über in einem festen Klassenverbund. Klassische Schulnoten gibt es nicht. Jeder Schüler erhält ein Zeugnis, bei dem der Charakter, Leistungsfortschritt, Begabungslage sowie die Bemühungen in den einzelnen Fächer dokumentiert sind. Nichtsdestotrotz schließen die Schüler die Waldorfschule mit einem staatlichen Schulabschluss ab. Für die Abschlussprüfung kommen Lehrer staatlicher Schulen und prüfen die Schüler gemeinsam mit ihren Kollegen von der Waldorfschule.

Der Lehrplan

Musik, Handwerk und Handarbeit nehmen in der Waldorfschule eine besondere Rolle ein. Beide Themen sind integraler Bestandteil des Lehrplans und nicht abwählbar. Deutsch, Mathematik, Medienkunde / Informatik sowie Kunst und Sport sind von Klasse 1 an ebenfalls fest im Lehrplan verankert.

Ab der ersten Klasse werden zwei Fremdsprachen unterrichtet (meist Englisch und Französisch). Hintergrund bildet die Ansicht, dass das Erlernen anderer Sprachen eine positive Haltung gegenüber fremden Kulturen aktiv unterstützt. Die Vermittlung von Geschichte, Literatur und aktuelle Zeitgeschehen sollen neben der Grammatik und dem Vokabular die Mentalität der anderen Kultur näher bringen.